Vor- und Nachteil

Ich liebe meinen Job!

Er ist Herausforderung, Freiheit, Spass und Luxus in einem.

Der Nachteil davon wurde mir heute bewusst. Ziemlich glasklar bewusst. Ich hatte bloss einen Kundentermin und trat um 14.15h zufrieden aber mit einer riesigen To-do-Liste gedankenversunken durch die Wohnungstür. Das „gedankenversunken“ hielt ca. 2,3 Sekunden. So lange dauerte es nämlich, bis das Geschrei sich einen Weg durch meine Ohren in die Ecke des Gehirn gebahnt hatte, das für die Zuordnung des „WasWieWarum“ zuständig ist.

Die Quelle ward schnell gefunden. 7(!) glücklich kreischende Jungs, amüsierten sich in meinem Wohnzimmer. Mein Blick muss auch für einen 9 und 11 Jährigen lesbar gewesen sein.

JuniorI, leicht vorwurfsvoll: „Wir haben dich angerufen!“

JuniorII, wittert eine Chance: „genau, wir wollten ja fragen…“

Ich, beherrscht:“was GENAU wolltet ihr fragen?“

JuniorI+II, dammbrechend: „ja ob es okay ist, dass unsere Kumpels zu uns zum Spielen kommen…!

Mymum, Babysitter und total von der Brut eingenommen: *schulterzuck, „ich fand’s ok…“

Leute, ich hasse sogar Geburtstagsparties, und meine Jungs wissen das! Die armen Kleinen haben nur auf so einen Moment gewartet. Ist ja auch cool 7(!!) Jungs bei Shietwetter eingesperrt bei uns zuhause zu haben?!

Nun ja, sie waren dann eigentlich ganz lieb und ich musste auch bloss 3x ganz laut „RUHE“ brüllen. Und um 17h war der Spuk vorbei.

Meinen Bengeln habe ich dann klar gemacht, dass sie solche Ideen auf den Sommer verschieben sollen, dann wenn ich alle raus sperren darf.

„Mama du bist so cool, die anderen Mütter haben nämlich alle nein gesagt…“

Ja. Klar.

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Erinnert ihr euch…

…wie das war, als ihr als nicht-mehr-ganz-Kind-aber-noch-nicht-wirklich-Jugendliche/r zum ersten Mal Schmetterlinge im Bauch hattet? Wie man dann im Bett lag und verwirrt diesen nachspürte? Und wie eigenartig schön und unheimlich das war, dass sich der Bauch zusammenzog, wenn man an diese eine Person dachte?

Mein JuniorI hat bisher jegliches „Liebe-Zeugs“ elegant umschifft, aber gestern, nach unserem Besuch (beide Mädels gehen mit unseren Jungs in die Klasse, wir unternehmen als Familien viel miteinander), hab ich’s in seinen Augen gesehen. Dieses Blitzen in den Augen und die hastig geflüsterten Worte: „Mama, wir haben Wahrheit, Pflicht, Prozent gespielt und ich muss jetzt T. umarmen…“

Und danach im Bett, da habe ich mich erinnert…

Neues Jahr, neues Glück

Ich konnte die letzten Tage nicht schreiben, da ich sehr damit beschäftigt war, mich am Leben zu erhalten.

Begonnen hat mein Überlebenskampf am 1.1.13 um ca. 00.02Uhr. Ich möchte betonen, dass wir sehr amüsiert rüber gerutscht sind. Und da ich am Morgen des 31.12. ja noch ziemlich Kapazitäten frei hatte, war es beschlossene Sache, dass wir mit unseren Gästen nicht nur lecker essen-, Feuerwerk zünden und mit Champagner anstossen-, sondern, ganz die italienische Tradition in meinem Genen, Linsen um Mitternacht essen wollten. Mit den Linsen verhält es sich in etwa so, wie mit der roten Unterwäsche. Was muss, das muss. Ich habe also entspannt unter dem strengen Blick meines Mannes („aha, bist du sicher, dass man die genau so…“- „JA!, BIN ICH!“) am Nachmittag des 31.12. die Linsen für Mitternacht vorgekocht. Obwohl ich mir bei der roten Unterwäsche nicht ganz sicher bin, inwiefern die Glück bringen sollte, ausser dass die Ehe- und sonstigen Männer das wohl gerne sehen, ist es bei den Linsen ganz klar. Sie symbolisieren das Geld im neuen Jahr. Viele Linsen = viel Geld. Alles ganz einfach.

Aber lasst uns jetzt den Abend vorspulen und um 00.02h Halt machen. Alle sind glücklich, haben etwas rote Gesichter vom Feiern und dem vielen Essen, loben die Linsen, die excellent schmecken, nur ich huste mir die Seele aus dem Leib. Das klingt, nun, nicht sehr elegant, was auch wirklich schwierig ist, wenn du kurz vor dem Erstickungstod stehst. Wir haben alles versucht, „trink doch was“, auf den Rücken klopfen, Handstand (ok, DAS war ziemlich peinlich, da meine Motivation zur Mitarbeit eher, hm, sagen wir, verhalten war), bis zum Heimlich-Manöver. Die Linse steckte fest. Zum Glück nicht mehr in den unteren Luftwegen. Nein sie entzückte mich die nächsten zwei Tage mit ihrer Präsenz unter meiner Gurgel. Es dauerte geschlagene 48h, bis sich das Ding zersetzt hatte. Ja, schön! Und ich weiss noch immer nicht, was die festgesteckte Linse symbolisch so heissen soll, aufs Geld für 2013 bezogen.

Und jetzt habe ich Pickel, seit einer Woche. Und heute Abend ein wichtiges Geschäftsessen. Das Leben ist schön.

Und ihr so?

Gestern Morgen um 10h in der Schweiz…

Mein Mann und ich mit einer Trilliarde Leute noch bei den letzten Einkaufbesorgungen.

Er: „Du sag mal, was für einen Kuchen wünscht sich der Kleine?“

ich so: „VON WELCHEM KUCHEN SPRICHST DU??!!“

Im ganzen Jahresendestress hatte ich zwar für das leibliche Wohl unserer Gäste gesorgt, auch für die Geburtstagsgäste am 1.1., aber an Kuchen überhaupt nicht mehr gedacht. Kurzer Anruf nach Hause, wo die Jungs friedlich vor sich hinlömmelten.

Ich: Schatzi, was für Kuchen soll Mama denn für deinen Geburtstag backen?

JuniorII: Schokokuchen und Mohn-Marzipan-Kuchen…und…

„Stopp“, schrie ich dazwischen, „das reicht!“

Heute morgen dann der Kleine nach seinem Geburtstagskuss:

„Mama, ich freue mich SO auf mein Lachsbrötchen!“

Ich so: VON WELCHEM LACHS SPRICHST DU?

Mein Mann ist jetzt unterwegs und sucht eine Tanke, die Lachs verkauft.

Mit beileidigend Grüssen an Merle, nur 1.1.-Mütter wissen um unsere Not.

Da war doch was…?

2012 war soweit ich mich erinnere ganz ok.

Das neue Jahr hatte zwar ziemlich bescheiden angefangen. Wir waren bei (jetzt ehemaligen) Freunden zu Silvester eingeladen und die haben sich untereinander sowas von gezofft! JuniorI hat das Ganze so angekotzt, dass er sich lauthals ins Klo übergeben hat und dann einfach um 23h einschlief. FreundMann war um Mitternacht beleidigt in der Toilette eingeschlossen, FreundFrau sass mit verheultem Gesicht auf dem Sofa. Der einzige der sich freute war Junior II, der hat nämlich am 1.1. Geburtstag und ihm war klar, dass er sich seinen Ehrentag nicht vermiesen lassen würde. Er ist unglaublich hartnäckig und hat alle langen Gesichter demonstrativ übersehen, das gute Kind. Recht hat er, da freut man sich ein ganzes Jahr auf seinen Tag und da haben so ein paar Erwachsene das Gefühl, sich so anstrengend benehmen zu müssen. Wir haben dann um Mittternacht mit Cola angestossen und sind nach einem kurzen Geschenkeauspacken von JuniorII ins Bett gekrochen.

Im Feburar waren wir Skifahren. Eine tolle Woche, bloss sind unterdessen dieses befreundete Ehepaar auch getrennt…(auch da haben wir absolut nichts mit zu tun! Ich schwöre!!). Im Februar habe ich auch meine neue Arbeitsstelle angetreten, ein toller Job, ich liebe ihn!

Im März war, öhm, einfach März.

Im April wurde JuniorI 10 Jahre alt und wir haben eine Turnhalle gemietet, damit er seine ganzen Fussballclubkollegen einladen konnte. DAS war eine Party sage ich euch, ich zittere heute noch beim Gedanken daran. Merke: vergesst es, er wird zum Glück nur 1x 10 Jahre alt.

Mai, Juni, alles wartet auf die Sommerferien

Im Juli waren wir in der Toscana, ich hatte mich riesig darauf gefreut, jedoch vergessen, dass zum Landleben IMMER Mücken dazu gehören. Und Mücken sind meine personifizierten Erzfeinde. Die haben es IMMER alle auf mich abgesehen und die Stiche schwellen so an, dass ich aussehe, als hätte ich Cellulite, auch dort, wo ich sonst keine habe! Merke: Reise nur noch mit Mosquitonetz!

Im August wurden unsere Januar-beste-Freunde unsere Ex-Freunde. Ich hatte einen Termin vergessen und daraufhin hat der FreundMann kein Wort mehr mit mir geredet. Tut er auch heute noch nicht. Ich möchte anfügen, dass dieser Termin eine lose Abmachung war, dass die Jungs etwas zusammen trinken gehen…ich habe keine Überraschungsparty mit 150 geladenen Gästen in den Sand gesetzt, oder so…! Merke: „Freunde“ die um nichts ein „Geschiss“ machen, sind anstrengend und gehören entsorgt.

September, warten auf die Herbstferien

Oktober, 1 Woche Tenerife, so total entspannend mit bloss Pool, Essen und chillen. Mann war das nötig!

November, Aufschieben der Dinge, die unbedingt vor Weihnachten noch erledigt werden müssen.

Dezember, hysterisches Abhaken der Dinge, die unbedingt noch vor Weihnachten erledigt werden müssen, der Versuch von Besinnlichkeit und die Freude, wenn die Festtage rum sind, bloss um zu erkennen, dass es am 1.1. mit dem Geburtstag von JuniorII weitergeht und man am 31.12. zu den allgmeinen Vorbereitungen zum Jahreswechsel noch zwei Kuchen backen sollte…und einen Jahresrückblick schreiben wollte…

(Hätte ich meinen Blog schon länger, gäbe es hübsche Links zu all diesen Erlebnissen, habe ich aber nicht, darum, nix Link. )

Meinen 2 Lesern und allen dazukommenden wünsche ich ein tolles 2013. Rockt das Haus, Leute!

 

 

Quellfrisch beim…Lesen – Digitale Demenz vs Netzgemüse

Die Weihnachtstage sind ja nicht nur dafür da, sich sinnlos voll zu fressen und nett zu sein, obwohl man das eigentlich gar nicht ist sein möchte. Nein, ich nutze die Tage, um mich mit Büchern aufs Sofa zu verkriechen. Und da ich mich noch nicht dazu durchringen konnte „50 Shades of Grey“ zu lesen, obwohl es schon seit 2 Wochen auf meinem Nachttischchen liegt, habe ich mein Hirn mit etwas anspruchsvollerem (?) beschäftigt.

In der roten Ecke:

Digitale Demenz – Manfred Spitzer,

  • Kampfgewicht inkl. Quellenangabe 361 Seiten
  • Stärken: aktuelle wissenschaftliche Erklärungen, z.T spannende Studien, Gehirnforschungsergebnisse
  • Schwächen: Wiederholungen, alle Medien sind böhöse!

In der blauen Ecke:

Netzgemüse – Johnny und Tanja Häusler, Kampfgewicht inkl. Quellenangabe, ups, da gibt’s gar keine, 288 Seiten

  • Stärken: leichter Lesefluss, moderne Aufmachung, guten Einstieg für Anfänger in all das Mediengedöns
  • Schwächen: Hinweise auf Studien ohne jegliche Quellenangabe, alle Medien sind toholl!

Ring frei!

Ich war sehr neugierig auf das Buch „Digitale Demenz“. Als Mutter kämpfe ich ja immer wieder mit meinem schlechten Gewissen, was den Medienkonsum meiner Jungs anbelangt. Daher hatte ich ein wenig „schiss“, dass mir Hr. Prof. Dr. Dr. Spitzer bestätigen würde, dass ich als Mutter total versagt hätte. Tatsache ist jedoch, das nichts in der Richtung geschah. Im Gegenteil, ich fühlte mich nach dem Lesen dieses Buches gut. Spitzer bestätigte all die Dinge, die ich eigentlich schon wusste: unkontrollierter Medienkonsum führt zu schlechteren Schulergebnissen, unkontrollierter Medienkonsum macht unzufrieden, unkontrollierter Medienkonsum ist nichts für kleine Kinder, die Teletubbies machen doof, Multitasking ist eine Fähigkeit, die einem nichts nützt, wenn man sich auf etwas fokussieren muss. Logisch muss man die Texte des Autors etwas abstrahieren, da es für mich als internet-affine Person keine Option ist, meinen Kids jeglichen Umgang mit den Medien zu verbieten. Prof. Spitzer ist in seinen Aussagen ziemlich krass, denn bloss weil ich Medien nutze, google und einen mit meinem Mann synchronisierten Kalender habe, höre ich ja nicht auf, selbst  zu denken, zumindest nicht ganz. Jedoch ist die Gefahr, sich immer mehr auf die „Hilfe“ von Medien zu verlassen offensichtlich gegeben. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich mir Dinge einfach nicht merke, weil ich weiss, dass ich sie lockerflockig googlen kann, wenn ich sie dann mal brauche. Gleiches passierte mir soeben auch mit einem Film, den ich meinem Mann zum Gucken vorschlagen wollte: „Weisst du, das ist so ein Politthriller, klingt spannend, die Schauspieler hab ich vergessen, die Handlung auch, aber die Seite ist auf dem Mac noch geöffnet…Also schon bestens auf dem Weg in die digitale Demenz! „Spannend wie der Prof. erklärt, dass das „be-greifen der Umwelt“ nur über eigene Erfahrungen passieren kann, wussten wir aber alles vorher schon, nicht? Meiner Meinung nach ist darum die Gefahr für uns bereits infizierten zwar gegeben, denn ich liebe alle diese Möglichkeiten und Apps, die mir das Leben einfacher(?) machen. Aber dadurch, dass wir alle diese Dinge schon mal in „echt“ erfahren haben, glaube ich nicht, dass die Gefahr besonders hoch ist. Doch was ist mit den Jungs? Bringen sie sich tatsächlich um die Erfahrungen des Lernen? Ist es nötig, dass man ganze Gedichte auswendig aufsagen kann? Ich glaube, dass auch hier mal wieder die goldene Mitte gefunden werden muss. Heisst für mich: solange die Jungs alle elektronische Geräte sofort hinschmeissen, wenn ein Nachbarskind zum draussen Spielen ruft, ist alles soweit in Butter. Hausaufgaben müssen sowieso vorher erledigt werden und der Medienkonsum ist zeitlich eingeschränkt. Was die Kids anbelangt, machen wir mal so weiter.

Fazit: Buch trotz Vorbehalt lesen, lohnt sich, wenn man einiges abstrahieren kann.

„Netzgemüse“ hatte ich mir extra in der Bücherei bestellen lassen und ich war ziemlich gespannt, wie es bei mir ankommen würde. Interessanterweise war ich dem Buch  gegenüber schon nach wenigen Seiten ziemlich kritisch eingestellt. Die offene Art und Weise, wie die Häuslers mit ihrem Nachwuchs umgehen finde ich toll, jedoch gehen ihre Zugeständnisse den Medienkonsum betreffend meiner Meinung nach zu weit. Warum soll ein 10jähriger einen eigenen YouTube Kanal besitzen? Wenns darum geht, dass er Videos drehen und schneiden will, darf er das doch gerne tun, ohne dass er alles ins Netz stellt? Bin ich da altmodisch? Vielleicht, aber ich finde sehr wohl, dass es ein gewisses Alter für die verschiedensten Erfahrungen gibt. Und die Kombi von 10 Jahre und YouTube-Channel ist mir trotz oder vielleicht gerade wegen der Frühreife der Kids nicht wirklich geheuer. Wenn ich nämlich nicht aufpasse, verbringen meine Jungs den ganzen Nachmittag damit, sich Rapper mit halbnackten Girls als Drumherum anzugucken. Wenn’s wenigstens anständiger Rock wäre…aber ich schweife ab...Das Buch ist sicherlich von Vorteil, wenn man überhaupt keine Ahnung vom Internet hat, mich hat es über diverse Strecken etwas gelangweilt. Ich bezweifle aber, dass ein Internetanfänger dann gleich soo locker wie beschrieben seinem „Netzgemüse“ (den Kids also) freie Hand geben wird. Gut fand ich die Ansätze von Medienabmachungen mit den Kids, also wer darf wie lange und was warum an die Konsole/PC/iPad/was weiss ich. Einiges davon haben wir schon durch und ich musste beim Lesen ziemlich schmunzeln: z.B Hausarbeitszeit=Spielezeit (Fail), Lernzeit=Spielezeit (Doppel-Fail). Auch wir haben erkannt, dass man den Jungs da etwas Freiheit lassen muss. Ein freundliches „wie lange spielst du noch“ ist um einiges entspannender, als ein rumgebrülltes: „mach die Scheisse jetzt mal aus, ey!“ und das folgende „aber Mama, ich kann hier nicht zwischenspeichern“-Geheule. Erstaunlicherweise nutzen die Jungs meine Frage auch erstaunlich wenig aus. Meistens heisst es dann: „noch 10Min. dann ist das Fifa-Spiel aus“ oder noch dieses Rennen fertig fahren“. Find ich gut und ich bin damit auch in der Mütter-Coolness bei den Kumpels meiner Söhne recht gestiegen. „Was du darfst SELBST bestimmen, wann du ausmachst?!“ Das obercoole „ja, klar“ von JuniorI war unbezahlbar, wissen wir doch beide, dass dies nicht wirklich so stimmt…

Fazit: Entspannende Lektüre, mit sehr lockeren Ansätzen, ganz ok.

Der Gewinner nach Punkten: Digitale Demenz von Manfred Spitzer. 

Und ihr so? Wie handhabt ihr euren Medienkonsum so?